
Hyrox in der Vertrauenskrise: Xenom greift jetzt CrossFit an
Nach dem Beijing-Vorfall steckt Hyrox in einer PR-Krise, baut aber mit Xenom parallel einen Angriff auf den CrossFit-Markt auf, der Olympia-Pläne gleich mitbringt.
Hyrox steckt mitten in einer Vertrauenskrise. Nach einem Vorfall beim Rennen in Peking hagelt es Kritik an der Reaktion der Marke. Gleichzeitig treibt das Gründerteam mit der neuen Serie Xenom den direkten Angriff auf den milliardenschweren CrossFit-Markt voran.
Beide Geschichten laufen parallel und erzählen etwas über dasselbe Unternehmen: wachstumsgetrieben, kompromisslos in der Expansion, und gerade dabei zu lernen, was Tempo kostet, wenn im Hintergrund etwas schiefläuft.
Ablauf des Beijing-Vorfalls
Beim Hyrox-Rennen in Peking im September erlitt die australische Elite-Athletin Joanna Wietrzyk während des Laufs einen plötzlichen, sichtbaren Kontrollverlust über ihren Darm.
Sie lief weiter, gewann das Rennen der Frauen-Pro-Klasse, hinterließ dabei aber Spuren auf der Strecke und am gemeinsam genutzten Gerät, das andere Teilnehmende danach ebenfalls anfassen mussten.
Erste Stellungnahme und Kritik
Hyrox reagierte zunächst mit einer Erklärung ohne Entschuldigung. Stattdessen betonte die Marke, Online-Drohungen gegen die Athletin würden mit einem dauerhaften Ausschluss von Hyrox-Events geahndet.
Die Kritik entzündete sich daran, dass die eigentliche Frage, warum niemand eingegriffen hatte, unbeantwortet blieb. Mitbegründer Moritz Fürste entschuldigte sich später persönlich auf Instagram und übernahm Verantwortung dafür, ein solches Szenario nicht vorhergesehen zu haben.
Regeländerung nach dem Vorfall
Hyrox kündigte neue Regeln und Abläufe an, die ein solches Szenario künftig verhindern sollen. Einige Teilnehmende, die an diesem Tag dieselben Stationen und Gewichte nutzen mussten, erhielten ihr Ticket erstattet.
Toetzkes persönliche Einordnung
Hyrox-CEO Christian Toetzke äußerte sich gegenüber Yahoo Finance direkt zu dem Vorfall. Er sagte, man habe sich entschuldigt, weil man die Athletin hätte stoppen müssen, notfalls auch gegen ihren Willen.
Das war für ihn im Nachhinein klar, auch wenn er die Situation vor Ort nicht als einfach beschreibt.
Neue Sicherheitsregel im Detail
Nach seinen Worten wurden die Regeln umgehend angepasst: Entsteht während eines Rennens ein Risiko für andere Athletinnen und Athleten, muss das Rennen gestoppt werden. Hyrox will das künftig aktiv überwachen.
Toetzke betonte, dass man mit jedem Event besser werden wolle.
Xenom-Format und Divisionen
Xenom tritt als „Decathlon of Fitness“ an: zehn feste Stationen über zwei Tage, darunter Gewichtheben, Laufen und Gymnastik, viele davon direkt aus dem CrossFit-Repertoire.
Eine kumulative Wertung, der „Elite Performance Index“, soll Fortschritt über Jahre vergleichbar machen, anders als bei jährlich wechselnden CrossFit-Workouts.
Investoren Katzenberg und Jaswa
Die Finanzierungsrunde über 15 Millionen US-Dollar wird angeführt von WndrCo, der Investmentfirma von Jeffrey Katzenberg, dem früheren Disney-Studiochef und DreamWorks-Mitgründer. Mitinvestor ist Sujay Jaswa, ehemaliger Finanzchef von Dropbox.
Partnerschaft mit Rogue Fitness und CrossFit
Rogue Fitness ist laut eigener Ankündigung Co-Investor und offizieller Ausrüster von Xenom. Parallel dazu läuft Xenom als lizenzierte CrossFit Partner Event Series.
Eventkalender Xenom
Das erste Event fand Ende Juni 2026 im Ford Center der Dallas Cowboys in Frisco, Texas, statt, im August folgte London. Die erste Saison soll elf Wettkämpfe in den USA und Europa umfassen, langfristig sind laut Veranstalter bis zu 60 Events weltweit geplant.
Rückkauf von Infront und neue Bewertung
Toetzke und Fürste haben gemeinsam mit der Private-Equity-Firma L Catterton die Mehrheit an Hyrox von Infront Sports & Media zurückgekauft, an das sie 2022 verkauft hatten. Die Transaktion bewertet Hyrox nach Berichten mit rund 700 Millionen US-Dollar (rund 626 Millionen Euro).
Auch Katzenbergs WndrCo war an der Finanzierung des Rückkaufs beteiligt, ein Zeichen dafür, wie sehr die Investoren an Fitness als wachsenden Sportmarkt glauben.
Marktgröße CrossFit als Zielgruppe für Xenom
CrossFit selbst gilt als Marke im Wert von geschätzt 4 Milliarden US-Dollar (rund 3,58 Milliarden Euro), mit etwa vier Millionen Praktizierenden weltweit. Genau diese Zielgruppe will Xenom mit einem planbaren, wiederholbaren Wettkampfformat erschließen, das CrossFit mit seinem Überraschungsprinzip bislang nicht bietet.
Bedeutung für deutsche Hyrox-Teilnehmer
Für Athletinnen und Athleten in Deutschland ändert sich operativ zunächst nichts. Hyrox selbst läuft mit seinem bekannten Acht-Stationen-Format weiter, inklusive der neuen Sicherheitsregel nach dem Beijing-Vorfall, die auch bei deutschen Events greifen dürfte.
Xenom bleibt bislang ein reines US- und UK-fokussiertes Format ohne Bezug zur deutschen Szene.
Was vorerst offen bleibt
Ob und wann Xenom nach Kontinentaleuropa oder gar nach Deutschland kommt, ist nicht angekündigt. Ebenso offen ist, wie stark sich die PR-Krise um Beijing langfristig auf die Wahrnehmung von Hyrox auswirkt, abseits der reinen Teilnehmerzahlen, die laut Unternehmen bislang nicht eingebrochen sind.



